Treibstoff-Normverbrauch

Merkblatt Treibstoffnormverbrauch


Vielleicht haben Sie festgestellt, dass Ihr Wagen mehr Treibstoff verbraucht, als im Prospekt „versprochen“. Damit stellt sich die Frage, ob an Ihrem Wagen etwas eingestellt werden muss, Sie selber etwas dagegen tun können oder ob Sie einfach mit diesem Faktum leben müssen. Bitte erlauben Sie, dass ich Ihnen im Folgenden erkläre, wie es zu diesen Prospektangaben kommt.

Lanciert ein Hersteller ein neues Modell, hat er nachzuweisen, dass dieser Typ die gültigen Abgasvorschriften erfüllt. Dieser Nachweis muss in einem anerkannten Prüfinstitut (in der Schweiz die EMPA in Dübendorf oder die Ingenieurschule in Biel) irgendwo in Europa erbracht werden. Damit alle Autos dieselben Bedingungen haben, ist das Messverfahren genau vorgeschrieben und die Experten gehen wie folgt vor:

Der Wagen wird fast voll getankt und das Leergewicht inklusive dem Fahrer wird gewogen.
Nun bleibt das Fahrzeug für mindestens 24 Stunden in der Prüfhalle stehen, damit es die Raumtemperatur von knapp über 20 Grad Celsius annimmt.
Das Auto wird nun mit der oder den Antriebsachse(n) auf einen Rollenprüfstand gestellt. Der Widerstand dieses Prüfstandes wird abhängig vom ermittelten Betriebsgewicht mehr oder weniger stark eingestellt.
Der Prüfer setzt sich nun in den Wagen und startet den Motor „kalt“, um dann den Zyklus gemäss der Richtlinie 80/1268 EWG der Europäischen Union abzufahren. In seinem Sichtbereich neben dem linken Seitenfenster sieht er ein Display, auf welchem ein Stift die effektive Geschwindigkeit innerhalb von 2 Grenzlinien fortlaufend aufzeichnet. Bei manuell zu bedienenden Getrieben sind auch die Punkte markiert, in den er hoch- oder herunterschalten muss.
Sind die insgesamt 11007 Meter innerhalb von 20 Minuten und 20 Sekunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 32.5 km/h abgefahren wird der Motor abgestellt.
Im Prüfraum wird nun ermittelt, wie viele g/km Kohlenmonoxyd (CO), unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC), Stickoxyde (NOx) Partikel und Kohlendioxyd (CO2) während des Tests produziert worden sind.

Diesel und Benzin haben unterschiedliche spezifische Gewichte und einen abweichenden Energiegehalt. Um dies zu berücksichtigen, dient der CO2 Ausstoss unter Berücksichtigung dieser unterschiedlichen Werte des Treibstoffs zur Berechnung des effektiven Verbrauchs während des Tests.

Die Anbieter von Personenwagen sind verpflichtet, diesen Wert, aufgeteilt in den ersten Teil des Tests (städtisch/urban) und den zweiten Teil (ausserstädtisch/extra-urban) und dem Durchschnitt (gesamt/mixte) in allen Verkaufsunterlagen anzugeben. Bei als Lieferwagen zugelassenen Fahrzeugen fehlen diese Werte, da sich der Gesetzgeber bewusst ist, dass solche Nutzfahrzeuge meist unterschiedlich eingesetzt und beladen sind und das Pflichtenheft beim Kauf von anderen Faktoren abhängt. Bei Personenwagen hingegen sollte der Käufer eine Vergleichsmöglichkeit haben um verschiedene etwa gleich grosse Typen miteinander vergleichen zu können.

Dieses für den Vergleich geeignete Messverfahren entspricht aber nicht unbedingt dem Praxisverbrauch. So sind zum Beispiel folgende Bedingungen nur bedingt in der Praxis übereinstimmend:

Das Auto ist nicht immer nur mit einer Person ohne Gepäck beladen.
Bei Start ist es nicht immer knapp über 20 Grad Celsius.
Die Servolenkung, die Klimaanlage und andere kleine „Helferlein“ sind im Alltag willkommen, auf dem Prüfstand aber ausgeschaltet oder werden nicht benötigt.
Die Fahrstrecke ist nicht immer 11 Kilometer lang, manchmal wird schneller gefahren als im Test oder langsamer wegen Baustellen.
Der Fahrer nützt das Leistungspotenzial des Wagens durchaus auch mal aus, der Testfahrer im Labor ist an die vorgegebenen Beschleunigungszeiten gebunden.
Es sind Winterräder montiert, welche durch das gröbere Profil mehr Widerstand erzeugen oder breitere Reifen, welche ebenfalls mehr Energie erfordern.
Die Pneus sind ehr auf komfortabel gepumpt, anstatt sehr hart, wie auf einem Rollenprüfstand nötig.

Um auf die am Anfang gestellte Frage zurückzukommen, vergleichen Sie nun Ihre Einsatzbedingungen mit den im Abgastest. Hier einige Erfahrungswerte zu den einzelnen Punkten:

Winterräder: mindestens 0.5 Liter /100 km, bei Reifendruck von 2.0 bar anstelle der optimalen 2.5 bis 2.7 bar gut 1 Liter/100 km.
Beladung: Pro 100 kg Mehrgewicht ca. 0.5 Liter / 100 km.
Klimaanlage: Minimum 0.5 Liter, im Stadtverkehr bei hohen Aussentemperaturen bis zu mehreren Liter pro 100 km.
Servolenkung: Elektrische Systeme fast nicht messbar, bei hydraulischen System 1 bis 2 Deziliter pro 100 km
Licht am Tag, Stereoanlage, Heizventilator etc. ca. 0.1 Liter / 100 km
Kurzstrecken: Im Extremfall (z.B. Hauslieferdienst) bis zum Zwei- oder Dreifachen des Normverbrauchs.
Häufige Kaltstarts (kurz nach dem Kaltstart liegt der Verbrauch eines Mittelklassewagens bei ca. 30-40 Liter / 100 km)
Hochgeschwindigkeitseinsatz: Auf Deutschen Autobahnen sind Messwerte bei einer Mittelklasselimousine um die 20 Liter / 100 km normal.
Temperamentvoller Fahrstil: Der doppelte Wert der Prospektangabe ist problemlos möglich.

Als Fahrzeugbesitzer haben Sie vorgegebene Einsatzbedingungen. Sie können ja die Familie nicht einfach aus Spargründen zu Hause lassen. Ihr Arbeitsweg ist ebenfalls vorgegeben, selbst wenn er „zu kurz“ ist. So haben Sie diesbezüglich kaum eine Möglichkeit, den Praxisverbrauch zu senken.

Trotzdem gibt es Automobilisten, die mit der so genannten Abgas- und Energie optimierten Fahrweise den Verbrauch unter die Normangaben „drücken“ können, ohne damit den Verkehr zu behindern. Diese „Hohe Schule des Fahrens“ wie sie Experten bezeichnen, beruht auf darauf, dass der Verkehrsablauf sehr sorgfältig beobachtet und die in der Bewegung beinhaltete kinetische Energie (Bewegungsenergie) ausgenützt wird. Bei Handschaltgetrieben kann zudem früher hoch geschaltet werden als im offiziellen Test und damit der thermische Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors verbessert werden.
Diese Fahrweise spart neben Treibstoff auch Unterhaltskosten und reduziert die Umweltbelastung. Sind Sie daran interessiert, zögern Sie nicht, bei uns eine entsprechende Broschüre zu verlangen (Kontaktadresse: TOYOTA AG, After-Sales Division, z.Hd. Peter ERNST, 5745 Safenwil, e-Mail: peter.ernst@toyota.ch). Die Automobilklubs und die Verkehrszentren bieten zudem Fahrkurse an. Die Kurskosten holen Sie in kurzer Zeit durch das reduzierte Betriebskostenbudget wieder herein.

Bitte beachten Sie im Anhang auch die schematische Darstellung des Abgasmesszyklus (Quelle: TCS, Broschüre „Verbrauchskatalog 2006/07“ und die Vergleichstabelle zu den Spezifikationen von Diesel und Benzin (Quelle: Umwält-Zitig 58 / April 2002).

Vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dieses Merkblatt zu studieren. Wir wünschen Ihnen gute, sparsame und sichere Fahrt mit Ihrem Wagen.

























Vergleichstabelle der Spezifikationen von Benzin und Diesel


Treibstoff KohlenstoffKilo / Kilo WasserstoffH2 in % Gewicht Kilo / Liter Kohlenstoff Kilo / Liter EnergieKWh / Liter
BenzinDiesel 0.850.87 1513 0.720.87 0.6120.757 8.5410.32
Diesel % + 2.35 -13.3 +20.8 +23.7 +20.8

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